Der letzte Sprachpfleger bei BR und ARD

Der letzte Sprachpfleger bei BR und ARD

Werner Müller war beim BR der letzte Sprachpfleger im Rundfunk. Jetzt ist er im Ruhestand, zumindest offiziell. …. Der BR war schon zu Otto Schmids Zeiten die einzige ARD-Anstalt und vermutlich das einzige Medienhaus in Deutschland, das sich einen Sprachpfleger leistete. Es gab die Stelle überhaupt nur, weil Schmid, ebenfalls Gymnsasiallehrer, im Jahr 1948 einen Brief an den Intendanten geschrieben hatte, in dem er sich über die Sprechmanieren der Moderatoren von Radio München beschwerte, wie der Sender damals noch hieß. … Müller versteht seine Rolle anders. Obwohl er auch Pädagoge ist – oder gerade deswegen, aber eben einer, der in den Siebzigerjahren anfing – wollte er nie Sprachhoheit ausüben. „Ich muss aufpassen mit dem Maß an Autorität, das ich mittlerweile habe“, meint er, und findet Sprachbeobachter ohnehin eine bessere Bezeichnung als Sprachpfleger. Um „präzise Leichtigkeit“ geht es ihm. Genau muss Sprache sein und angemessen für ihr Publikum. Das erklärte er schon Lehrerkollegen, die Sechstklässer in Mathe mit ihrer Rede von Addition und Subtraktion überforderten, und später Nachrichtenredakteuren, die zu allzu kompliziertem Satzbau neigten. Müller ging regelmäßig in die Nachrichtenredaktion und erklärte den Journalisten, wie sie einen guten ersten Satz formulieren, oder warum sie Parataxe und Hypotaxe abwechseln sollten. …. „Es stirbt eine Generation aus, der die Sprache wichtig ist“, sagt er. …. Dass mit ihm nun der letzte Sprachpfleger so langsam doch seine Aufgaben abgegeben hat und nicht nachbesetzt wird, findet er schade. Es sollte in jeder Rundfunkanstalt einen wie ihn geben, sagt Müller, „am besten hauptamtlich, aber unbedingt ohne weitere Autoritäten und Befugnisse in der Redaktion“.