Die Oma muss in den Fluss – so erklärte KiKA Millionen Kindern Rassismus

Die Sketch-Comedy „Moooment!“ im öffentlich-rechtlichen Kika soll Kindern Rassismus erklären. Sie will Stereotype knacken, produziert sie aber selbst. Und jetzt ist sie plötzlich offline. Warum?

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/kritik-an-der-kika-comedy-moooment-200825999.html

Eine Oma in einem braunen Fluss und ein Kind, das an Leberwurst verhungert: 90 Prozent aller Kinder in Deutschland erreichte eine Kinderserie, die plötzlich verschwand. Warum?

Jetzt ist es offiziell: Die Comedyserie „Moooment!“ ist nicht mehr auf der KiKA-Website zu finden. Auch in der Mediathek sucht man vergeblich nach den Folgen, die 2022 mit Preisen nominiert und als pädagogisches Vorzeigeprojekt gefeiert wurden.

Übrig geblieben sind lediglich einige Clips hinter den Kulissen – Interviews, Making-of-Material –, aber keine einzige vollständige Episode mehr. Das ist brisant, denn KiKA erreicht rund 90 Prozent der Drei- bis 13-Jährigen in Deutschland. Was hier gezeigt wird, landet im Kinderzimmer einer ganzen Generation.

„Mooooment!“ war kein Nischenprodukt. Die Serie, in der sechs Freunde die Zeit anhalten können, um rassistische Situationen zu besprechen, wurde 2022 für den CIVIS-Medienpreis nominiert. Die Jury lobte die „kreative und kindgerechte“ Darstellung von Alltagsrassismus. Zudem war die erste Folge für den Grimme-Preis nominiert. Es gab damals keine größeren Kontroversen.

Das war 2021/2022. Vier Jahre später ist die politische Stimmung eine andere. Debatten um Diversity, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Identitätspolitik haben sich radikal zugespitzt. Was damals als pädagogischer Humor durchging, wird heute von Teilen der X-Community als „Indoktrination“ gelesen und für einen „Kulturkampf von links“ instrumentalisiert. […]

Man habe die Serie nun „vor dem Hintergrund“ der kritischen Diskussionen in sozialen Medien „zunächst offline gestellt“. Eine Auszeichnung – die Grimme-Preis-Nominierung 2022 – belege den gesellschaftlichen Anspruch des Formats. […]

„Moooment!“ ist keine „linksgrüne Indoktrination“, wie die schärfsten Kritiker behaupten. Aber es ist auch keine gelungene Antirassismus-Sendung. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht ist es vor allem eines: ein Exempel für den performativen Widerspruch. Die Macher wollten Rassismus aufklären – produzierten aber selbst neue Klischees, diesmal gegen Deutsche. […]

Pädagogik funktioniert nicht über Umkehr der Vorurteile, sondern über deren Auflösung. Kinder lernen nicht Toleranz, indem sie lernen, eine andere Volksgruppe als borniert oder lächerlich darzustellen.

https://www.berliner-zeitung.de/article/die-oma-muss-in-den-fluss-so-erklaerte-kika-millionen-kindern-rassismus-10034410

„Seit mehreren Tagen beobachten wir, dass Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Medien insbesondere Beiträge zu ,Almaniac – The Game‘, aber auch weitere Ausschnitte aus der fiktionalen Serie ,Moooment!‘ verbreiten und kritisch kommentieren“, sagt die Kika-Sprecherin Christiane Rohde auf Anfrage der F.A.Z. „Vor diesem Hintergrund haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, diesen Beitrag zunächst offline zu stellen.“ Für wie lange, das kann man beim Kika noch nicht sagen. […]

Man darf gespannt sein, wie sich der Kika weiter verhält. Was vor fünf Jahren vermeintlich woke-witzig weitgehend unter dem Radar lief, sieht heute eher kontraproduktiv aus. Eines muss der Sender mitbedenken: Die sechs Kinder, die inzwischen junge Erwachsene sind, werden im Netz als Repräsentanten des Programms mit Klarnamen herumgereicht. Sie sollten nicht diejenigen sein, die den Kopf hinhalten.

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