Einschneidende Maßnahmen
Der MDR will in den nächsten drei Jahren keinen „Tatort“ und keinen „Polizeiruf“ mehr produzieren. Unter anderem. Begründung: Sparzwang wegen der ausbleibenden Rundfunkgebührerhöhung.
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) spart an seinem Programm. Drei Jahre lang will die ARD-Anstalt keine neuen Folgen ihrer Ausgaben der Krimireihen „Tatort“ und „Polizeiruf“ produzieren. Außerdem ist unter anderem geplant, die Social-Media-Aktivitäten um 30 Prozent zu reduzieren, Podcasts mit weniger als 6000 Hörern im Monat einzustellen und bei der Nachrichtensendung „MDR aktuell“ verstärkt auf Inhalte der Landesfunkhäuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zurückzugreifen. Die junge Radiowelle „Sputnik“ soll vom kommenden Jahr an nicht mehr über UKW, sondern nur noch über DAB+ ausgestrahlt werden. Von den Sendereihen „Raus aufs Land“ und „Naturfilm“ soll es von 2028 an keine neuen Folgen mehr geben.
Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der MDR die Produktion des ARD-„Mittagsmagazins“ abgibt. Das aktuelle Regional-Magazin „MDR ab 2“ soll ebenfalls von 2027 an entfallen. […]
MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen sprach in einer Mitteilung des Senders davon, „nicht in der Breite zu kürzen, sondern strategisch Prioritäten zu setzen“. […]
Gemeinsam mit der Aufgabe des „Mittagsmagazins“, dessen Produktion vermutlich in Zukunft der Norddeutsche Rundfunk (NDR) übernimmt, führt das zu einer geringeren Sichtbarkeit des Ostens im Gemeinschaftsprogramm. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, weil gerade aus ostdeutschen Bundesländern der Druck besonders groß war, den Etat des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu begrenzen. Gleichzeitig waren sie es, die immer wieder angemahnt hatten, dass ihre Regionen und Perspektiven eine größere Präsenz im Programm bekommen müssten.
https://www.sueddeutsche.de/medien/mdr-sparmassnahmen-tatort-polizeiruf-li.3481975
Die Sache mit dem Rundfunkbeitrag
Die Situation beim MDR zeigt, dass das Gleichgewicht der verschiedenen Anstalten innerhalb der ARD immer schwerer zu halten ist. Während die großen Anstalten vergleichsweise gut dastehen, müssen die kleinen und mittleren Sender spürbare Kürzungen vornehmen. An dieser Stelle lohnt sich ein genauer Blick auf den Rundfunkbeitrag. Der ist nämlich überall in Deutschland gleich. Und während die KEF davon ausgeht, dass 18,64 Euro ab 2027 reichen würden, damit das gesamte System für die Beitragsperiode (2025-2025) bedarfsgerecht finanziert ist, sieht das in den einzelnen Anstalten sehr unterschiedlich aus.
Während große Anstalten wie der WDR oder der BR bei einer Anhebung auf 18,64 Euro wohl tatsächlich bedarfsgerecht finanziert wären, weil durch die Vielzahl an neuen Haushalten ein Millionen-Plus entsteht, sieht das bei anderen Sendern anders aus. Der MDR leidet durch den Wegzug von Menschen aus seinen Bundesländern besonders unter dem einheitlichen Rundfunkbeitrag – nimmt er dadurch doch weniger Geld ein. Oder um es anders zu formulieren: Während der Rundfunkbeitrag für den WDR eigentlich auch niedriger ausfallen könnte, müsste er beim MDR höher sein. 18,64 Euro ab 2027 sind der Durchschnitt über alle Öffentlich-Rechtlichen hinweg.
https://www.dwdl.de/nachrichten/106455/spardruck_mdr_pausiert_bei_tatort_und_polizeiruf/
Bericht von der Rundfunkratssitzung vom 11.05.2026: https://www.flurfunk-dresden.de/2026/05/11/bericht-von-der-234-sitzung-des-mdr-rundfunkrat/
