MDR muss 30 bis 60 Millionen Euro zusätzlich einsparen

Eigentlich hat die KEF errechnet, dass ARD und ZDF auch mit einer geringer als zunächst geplanten Beitragserhöhung ab 2027 ausreichend Geld zur Verfügung haben. Warum MDR-Intendant Ludwig trotzdem einen zusätzlichen Sparbedarf sieht…

https://www.dwdl.de/nachrichten/105852/mdr_muss_30_bis_60_millionen_euro_zusaetzlich_einsparen/

MDR-Intendant zu Rundfunkbeitrag, Sparplänen und Silbereisen: „Wir gehen längst ans Eingemachte“

Die Öffentlich-Rechtlichen stehen im Fokus. In Zeiten von Netflix und privaten Onlinemedien hat die Frage nach dem Rundfunkbeitrag an Brisanz gewonnen. Die geplante Erhöhung blieb aus. MDR Intendant Ralf Ludwig schildert, wo er spart. Und sagt, wie der Sender in der Region punkten will. […]

Wir haben im MDR im Moment eine sehr große Produktpalette, die wir künftig aufgrund größerer Einsparnotwendigkeiten und der bislang ausgebliebenen Anpassung des Rundfunkbeitrags so nicht mehr aufrechterhalten können. So bedauerlich es im Einzelfall ist, aber wir müssen uns programmlich stärker fokussieren und digitaler ausrichten, um auch jüngere Zielgruppen verstärkt zu erreichen. Wir werden die Menge etwas eingrenzen und Teile der freiwerdenden Kapazitäten nutzen, um für das Publikum bleibende Formate zu stärken und neue zu entwickeln. […]

Der aktuelle Medienstaatsvertrag gibt uns vor, dass wir uns von drei linearen Hörfunkwellen trennen müssen: neben MDR Tweens und MDR Schlagerwelt auch von MDR Klassik. Da habe ich viele Briefe bekommen, das war schon ein Sturm der Entrüstung. Wir gehen an diesen Stellen verstärkt in den Dialog. […]

Ich kenne den pauschalen Vorwurf, dass an der Verwaltung stets zu wenig gespart würde. Ich kann ihn entkräften. Die KEF ermittelt die Verwaltungskostenquote. Die liegt bei uns bei vier Prozent. 96 Prozent unserer Mittel fließen also direkt oder indirekt ins Programm. Da bringt es wenig, wenn man ausschließlich in der Verwaltung ein paar Stellen kürzt. […]

Wir müssen Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung für die gesamte Bevölkerung bieten. Und zwar in dieser Reihenfolge, Information ist in diesen Zeiten das Wichtigste. […]

Wir müssen noch mehr in die Regionen reingehen und näher an die Leute ran. Es ist unser Auftrag, das in unseren Formaten zu spiegeln. Und nicht, mögliche Spaltungen, zum Beispiel zwischen Ost und West, zu verstärken. […]

Unsere jährlichen repräsentativen Umfragen sagen, dass uns 73 Prozent der Menschen vertrauen. Das gilt für unser gesamtes Sendegebiet und ist ein stabiles Fundament, auf dem wir weiter mit unseren Angeboten qualitativ überzeugen müssen.

https://www.lvz.de/politik/regional/mdr-intendant-ralf-ludwig-wir-gehen-laengst-ans-eingemachte-PPC644EPJFCLXCIXO25DIPWPKU.html

Hinweis I: Es gibt programmproduzierende und programmverwaltende Bereiche. Bei seinem aktuellen, für 2026 aufgelegten, 10-Mio.-Sparprogramm tragen die programmproduzierenden Direktionen 70 Prozent der Einsparungen.

Hinweis II: Die Skepsis gegenüber Medien ist in Ostdeutschland weiterhin größer als im Rest der Republik. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Demnach gaben im Osten 41 Prozent an, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu vertrauen – eine Mehrheit von 54 Prozent tut das nach eigenen Angaben nicht. In Westdeutschland hingegen erklärten 58 Prozent, großes oder sehr großes Vertrauen in die Öffentlich-Rechtlichen zu haben.

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/medien-vertrauen-ostdeutschland-corona-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-102.html