NDR-Intendant Hendrik Lünenborg will mehr Perspektivenvielfalt
„Ich bin ein Freund der Besonnenheit“
NDR-Intendant Hendrik Lünenborg hält Debatten in der Redaktion für einen „Grundpfeiler der Pressefreiheit“. Seiner Meinung nach gibt es im Norddeutschen Rundfunk eine „große Vielfalt an Stimmen und Meinungen“, aber er wünscht sich noch mehr Perspektivenvielfalt. Diemut Roether und Marcel Maack sprachen mit Lünenborg, der seit September im Amt ist, über Regionalisierung, den Dialog mit dem Publikum und die Debattenkultur im Sender. […]
Ich bin davon überzeugt, dass Debatten in der Redaktion der Grundpfeiler von Pressefreiheit sind. Wenn wir keine geschützten Räume haben, in denen wir auch heftig miteinander streiten, werden die Produkte nie gut werden. Wir beschäftigen uns nicht erst seit „Klar“ mit Perspektivenvielfalt. Das habe ich bereits in meiner Bewerbung als Intendant deutlich als Handlungsfeld beschrieben. Wir haben Perspektivenvielfalt in den Programmen, aber ich will Perspektivenvielfalt plus. Ich möchte, dass wir uns noch stärker damit auseinandersetzen, wie man Themen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann. Da haben wir an einigen Stellen Verbesserungsbedarf. […]
Ich habe Journalismus immer als Handwerk gesehen. Und wenn Sie ein Handwerker sind, folgen Sie bestimmten Qualitätsstandards. Mein Thema ist nicht links, rechts, konservativ, progressiv oder was auch immer, mein Thema ist: Haben wir genug Leidenschaft für die Wirklichkeit? Haben wir genug Perspektivenvielfalt? Sind wir in der Lage, die Themen zu entdecken, die die Menschen umtreiben? […]
Wir brauchen wieder mehr Kolleginnen und Kollegen draußen vor Ort. Mir geht es darum, den klassischen Reporterberuf zu stärken. In Zeiten von starker Social-Media-Prägung und von Künstlicher Intelligenz ist es zunehmend wichtig, dass echte Menschen auf echte Menschen treffen und mit einer erweiterten Perspektive zurück in die Redaktionen kommen. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Journalistinnen und Journalisten in den Redaktionen regelrecht „festgetackert“, das müssen wir korrigieren. Im NDR stärken wir die Regionalstudios finanziell und personell, diesen Weg werde ich weiter beschreiten. Die Regionalberichterstattung ist ein Programm, das Perspektivenvielfalt liefert. […]
Es geht mir darum, dass wir die Geschichten, die in der Region spielen, prominent im Programm platzieren. Der gesamte NDR ist aufgerufen, die Regionalberichterstattung zu stärken.
https://medien.epd.de/article/4004/
ARD behindert Forschung und Aufklärung zu eigenen Geschichte
Jedenfalls müsste die weitere Forschung unbedingt breiten Zugriff auf das Schriftgut der Sendeanstalten und auch auf die archivierten Sendungen selbst erhalten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Recherchemöglichkeiten in den ARD-Archiven, besonders was das Schriftgut angeht, sehr eingeschränkt sind. Entgegen anderslautender Beschlüsse auf höchster ARD-Ebene und auch zur Frustration der Mitarbeiter im Archiv kann von einem einfachen Zugang zu den Beständen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weiterhin keine Rede sein, obschon einzelne ARD-Mitglieder bemühter sind als andere, Forschung zu ermöglichen.
