Social-Media-Zahlen der ARD

In der Kritik

Kommen wir also zu den Social-Media-Zahlen der ARD, die vergangene Woche veröffentlicht wurden. Journalismus ist unter anderem das Handwerk, in Pressemitteilungen nach dem zu fahnden, was weggelassen wurde und sie im Zweifel gegen den Strich zu lesen. Das gilt auch für die entsprechende Pressemitteilung der ARD, in der es hieß:

„6,6 Milliarden Mal haben im Jahr 2019 Nutzer*innen alleine auf YouTube und Facebook Videos von offiziellen Accounts der ARD gestreamt. So die Bilanz der User*innen-Kontakte in den Sozialen Medien, die die ARD erstmals gezogen hat.“ ….

Erst im Februar hat die ARD mitgeteilt, dass „jeden Tag rund 621.000 Zuschauer*innen die ARD Mediathek“ nutzen würden. Der SWR, unter dessen Federführung sie auf den heutigen Stand gebracht wurde, nannte auch Zugriffszahlen: „Laut SWR gab es im Oktober 65 Millionen Zugriffe auf Videos in der ARD-Mediathek. Im November waren es schon 75 Millionen und im Januar dann 87 Millionen.“ Aufs Jahr hochgerechnet, landet man da bei 1 bis 1,5 Milliarden Zugriffen. …

Michael Umlandt, der früher für das ZDF twitterte – sogar schon, als das ZDF noch gar nicht twitterte –, kritisierte die Veröffentlichung der Social-Media-Bilanzzahlen. Sie hätten „wenig Aussagekraft“, schrieb er, weil bei Facebook und YouTube Videos als gestreamt gezählt würden, sobald sie 3 Sekunden (Facebook) beziehungsweise 30 Sekunden (YouTube) angespielt würden: „Mit solchen Zahlen schwächt ihr die eigenen Mediatheken, bei denen anders gemessen wird.“ Oder andersherum: Gestärkt wird die Infrastruktur der Social-Media-Anbieter. Und gestärkt wird womöglich auch die Logik, nach der öffentlich-rechtliche Redaktionen auch eigens für YouTube und Facebook produzieren.

https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-1400.html