Verlorenes Firlefanzfernsehen

Verlorenes Firlefanzfernsehen

Magazine, Reportagen, Dokus vor 22 Uhr? Fehlanzeige! Wer aber das Programm früherer Tage betrachtet, findet nicht nur Besseres zur besseren Sendezeit. Eine Studie zur Lage des Sachfilms am Bildschirm

Wer Volker Herres von der ARD zuhört, könnte meinen, dieser sei gar keinem Staatsvertrag verpflichtet, sondern nur den vermeintlichen Sehgewohnheiten des Publikums. Die könne man zwar »ein Stück weit prägen«, sagte der Programmdirektor mal zur Kritik am nächtlichen Asyl dokumentarischer Formate, »aber niemanden überlisten, geschweige denn nötigen«. Und weil Fernsehen »in hohem Maße« daraus bestehe, was die Zuschauer davon angeblich erwarten, müsse sich auch seine Planung daran orientieren.

Der Medienjournalist Fritz Wolf hat im Auftrag des Branchenverbandes AG Dok eine Studie zur Lage des Sachfilms am Bildschirm veröffentlicht. Ganze sieben Prozent der untersuchten Formate, so Wolf, »behandeln gesellschaftspolitisch relevante Themen«, nur drei von 100 nähmen Bezug auf »Wissenschaft und Technik«. …. Covid-19. Über Wochen hinweg perforierten reichweitenstarke Sondersendungen und Reportagen spielend jedes Programmschema. Dennoch dürfte dieser Bruch aller Sehgewohnheiten folgenlos bleiben. Während der kommerzielle Teil des dualen Systems in Wirklichkeit ohnehin nur noch simuliert, sitzen den Bildungsbeauftragten schließlich die Streamingdienste im Nacken, deren Ästhetik wiederum global verwertbar sein muss.