ZDF-Kindernachrichten „logo!“: Positiv über den Islam, negativ über christliche Kirchen
Das ZDF streicht eine Folge der Kindernachrichten „logo!“ aus dem Archiv. Sie wird als einseitig bemängelt. Die Redaktion übt Selbstkritik. Man bedauere, wenn es zu „dem Gefühl mangelnder Ausgewogenheit“ gekommen sei.
ZDF löscht einen „logo!“-Beitrag über Kirchen aus dem Archiv.
Das ZDF entfernt ein Erklärvideo der Kindernachrichten „logo!“ über christliche Kirchen nach Kritik aus der Mediathek. Zuschauer hatten den starken Fokus auf Kirchenaustritte und den historischen Ablasshandel kritisiert. Ein Beitrag über das Ende des Ramadan wirkte im Vergleich dazu sehr positiv. Intendant Norbert Himmler entschuldigt sich für die mangelnde Ausgewogenheit des Beitrags und bezeichnet die Kombination beider Inhalte als Fehler. Die christliche Medieninitiative Pro hatte beim ZDF eine Programmbeschwerde eingereicht. Deren Geschäftsführer Christoph Irion verlangt trotz der Löschung eine Beratung im Fernsehrat.
https://www.turi2.de/aktuell/zdf-loescht-einen-logo-beitrag-ueber-kirchen-aus-dem-archiv/
Eine inhaltliche Verknüpfung eines positiv formulierten Beitrags über den islamischen Fastenmonat Ramadan mit dem direkt folgenden, negativ gehaltenen Beitrag über die Kirchen sei „planerisch nicht beabsichtigt“ gewesen.
Der „logo!“-Beitrag vom 19. März thematisierte den Mitgliederrückgang der Kirchen. In einem historischen Rückblick wurden die einst verbreitete Angst vor der Hölle, mittelalterlicher Ablasshandel und Missbrauchsverbrechen der jüngeren Zeit erwähnt. „Obwohl der Text vor der Veröffentlichung von zwei externen Experten geprüft wurde, kommt die Redaktion rückblickend zu dem Schluss, dass ein komplexes Thema in diesem Fall durch die kurze Darstellung und das Weglassen zentraler Aspekte nicht angemessen dargestellt wurde“, heißt es in dem Schreiben Himmlers weiter.
Die internen Arbeitsabläufe sollten nun überprüft werden, um „planerische Unausgewogenheiten“ künftig zu verhindern, kündigte Himmler an. Zugleich verwies er darauf, dass die „logo!“-Kindernachrichten regelmäßig auch über positive kirchliche Aktivitäten wie die Sternsinger-Kampagne berichteten.
https://medien.epd.de/article/4656
„Tatsächlich war die Kombination beider Inhalte innerhalb einer einzigen ‚logo!‘-Sendung ein Fehler, da dadurch der Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung entstehen konnte“, schrieb Himmler in seiner von „Pro“ veröffentlichten Antwort. „Dies war seitens der Redaktion jedoch keinesfalls intendiert. Vielmehr wurden ursprünglich beide Beiträge unabhängig voneinander geplant und behandelten unterschiedliche aktuelle Anlässe: Anlass für das Erklärvideo zu den christlichen Kirchen waren neu veröffentlichte Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen in Deutschland, während der Beitrag zum Ramadan-Ende angekündigt wurde, da dessen Feier an jenem Tag begann.“
Es sei planerisch nicht beabsichtigt gewesen, beide Beiträge inhaltlich miteinander zu verknüpfen. „Die Redaktion bedauert sehr, dass dies bei Ihnen und auch bei anderen Zuschauerinnen und Zuschauern zu Irritation, Verärgerung oder dem Gefühl mangelnder Ausgewogenheit geführt hat.“ Man nehme die Hinweise zu inhaltlichen Verkürzungen und zur fachlichen Tiefe der Darstellung sehr ernst. „Im Nachhinein ist sich die Redaktion bewusst, dass es schwerlich möglich ist, die Fragestellung der historischen Entwicklung der christlichen Kirchen in einem anderthalbminütigen Beitrag angemessen und in all ihren theologischen und gesellschaftlichen Dimensionen darzustellen.“
https://evangelische-zeitung.de/zdf-loescht-logo-beitrag-ueber-kirchen-aus-archiv/
Hinweis I: Logo ist eine Nachrichtensendung. In Nachrichtensendungen ist es nicht möglich, die jeweiligen ausgewählten Ereignisse und Themen „in einem anderthalbminütigen Beitrag angemessen und in all[en] […] gesellschaftlichen Dimensionen darzustellen.“
Hinweis II: Weder die Beschwerdeführer noch die Redaktion haben dargelegt, gegen welche Programmgrundsätze des ZDF-Staatsvertrages (insbesondere §§5 und 6) konkret verstoßen wurde. Wenn die „Irritation“ bzw. „Verärgerung“ oder schon „das Gefühl mangelnder Ausgewogenheit“ einzelner Zuschauer bzw. von Verbandsvertretern, die zudem nicht zur Zielgruppe des Programms gehören, für eine Depublikation ausreichen, dann müsste das ZDF täglich einige Beiträge löschen.
