Hauptpreis des Zentralrats der Juden: Nuhr betrüblich

Erstmals geht der Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland an einen Kabarettisten. Dieter Nuhr wendet sich in seiner Dankesrede vor allem gegen den grassierenden Antisemitismus der Linken.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/dieter-nuhr-erhaelt-leo-baeck-preis-warnung-vor-judenhass-accg-200919652.html

Nuhr decke Doppelstandards auf, „denen die deutsche Medienlandschaft bei diesen Themen oftmals unterliegt“, sagte Schuster bei der Festveranstaltung am Mittwochabend in Berlin. „Sie treffen damit auch Ihre Kollegen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, ergänzte er.

Der Zentralratspräsident verwies als ein Beispiel auf Berichte, in denen vermutet wurde, dass Deutschlands Haltung zu Israel ein Grund für das Scheitern Deutschlands bei der Wahl für den UN-Sicherheitsrat gewesen sein könnte. Österreich, das nun den Platz einnehme, falle seit Langem mit seiner entschlossenen Haltung für Israel auf, „entschlossener als Deutschland selbst“, sagte Schuster. Die Erklärung in diesen Berichten offenbare damit „nur eines“, sagte Schuster: „Die Obsession mit dem jüdischen Staat, die in unseren Medien so weit verbreitet ist.“

https://medien.epd.de/article/4755

Dass Antisemitismus „nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch unter Linken und Kulturschaffenden gefühlt eher die Regel als die Ausnahme ist“, das verstöre ihn, sagte Nuhr. „Der Irrsinn“ finde sich „nicht mehr rechts oder links. Er ist gerecht verteilt.“ Menschen liefen mit und fügten sich offensichtlich gedankenlos „in eine sich moralisch überlegen fühlende Menge“ ein. Genau da entstehe „der Raum, in dem sich das Böse entfaltet“.

Wie groß dieser inzwischen ist, macht sich auf der Straße nicht nur in Berlin-Neukölln bemerkbar, sondern im Alltag, an Schulen und Universitäten, auf Festivals und Symposien. Dem gefährlichen und menschenverachtenden Ungeist tritt Dieter Nuhr entgegen. Mit ihm hat der Zentralrat der Juden einen würdigen Träger seines nach dem Rabbiner und Holocaust-Überlebenden Leo Baeck benannten Preises ausgewählt.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/gegen-antisemitimus-baeck-preis-fuer-dieter-nuhr-200921263.html

Max Czollek. Der hatte auf LinkedIn an die Adresse des Zentralrats der Juden geschrieben: „Wenn ihr euch je gefragt habt, wie Preise sich selbst kaputt machen können? So geht das. Eine wirklich bedrückende Entwicklung, auch für die Institution.“ Oder auch des Journalisten Ronen Steinke, der auf Instagram gefragt hatte: „Wie lost ist das? […] Armer Leo Baeck, dass sein Name nun so benutzt wird.“ Ann-Kathrin Leclère nannte die Auszeichnung Nuhrs – aber auch früherer Preisträger wie etwa Springer-Chef Döpfner – in der taz „unverantwortlich“. Sie schrieb: „Das Problem ist nicht nur Nuhr selbst, sondern die politische Linie, die der Zentralrat der Juden hier aufzeigt.“

Der Blick ins Archiv liefert zahlreiche Belege, die gerade Dieter Nuhr eben nicht als preisverdächtig erscheinen lassen. Im Gegenteil: Die Nominierung erscheint schlicht als unvernünftig. Ein Beispiel: Als Jan Böhmermanns ZDF-„Magazin Royale“ Nuhr und seinen Mitstreiter*innen eine Sendung widmete, schrieb Joachim Huber im Tagesspiegel über Nuhr als einen „Comedian aus der rechten Ecke“.

Huber bewunderte, dass Böhmermann in seiner Sendung die Sprüche eines Teils der deutschsprachigen Comedy-Szene, von Nuhr oder beispielsweise auch von dessen österreichischer Kollegin Lisa Eckhart, einfach dokumentierte: „Protagonistinnen und Protagonisten, die mit rassistischem, sexistischem Gedankengut und Vokabular um sich schmeißen, um die Wut auf Cancel Culture und alles Woke anzufeuern. Also rechtsdrehend gegen linksdrehend. […] Hier wird Original-Nuhr als Konzentrat dargeboten, sein Mindset ohne Kommentar, ohne Erbarmen, ohne Gedankenzusammenhang. Das Banale wird böse. […] Bei aller Satire – der überzieht, der verletzt, der frisst über die Hecke.“

https://www.campact.de/blog/2026/06/leo-baeck-preis-hauptpreis-des-zentralrats-der-juden-nuhr-betrueblich/

Der Kabarettist für die bitteren Wahrheiten: Dieter Nuhr hat den Leo-Baeck-Preis erhalten. Der Kabarettist mache, was eigentlich selbstverständlich sein müsse, heißt es in der Laudatio. Weil das ganz und gar nicht so ist, geht die Auszeichnung genau an den Richtigen.

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Anmerkung: Dieter Nuhr ist der öffentlich-rechtliche Gegenpart zu den linksdrehenden Satirikern wie Böhmermann, Kebekus, Bosetti etc. Insofern ist sein Einsatz ein Beitrag zur Ausgewogenheit. Allerdings ist seine offensichtliche Verklärung der zionistischen Ideologie unter kompletter Ausblendung der Gräueltaten im Gaza und dem Libanon für Verfechter des Völkerrechts schwer auszuhalten. Seine straff ideologisierte Israelverklärung hatte Nuhr schon mal vor laufender Kamera mit einer krassen Lüge unter Beweis gestellt. Die historisch begründete deutsche Schuld rechtfertigt keinen Völkermord und die inflationäre Umwidmung berechtigter Kritik an der rechtsextremen israelischen Führung in Antisemitismus rechtfertigt keine Auszeichnungen.