ARD – Weil etwas nicht funktioniert, wird reformiert, indem man das, was nicht kaputt ist, ruiniert
Die ARD hat Ende November mitgeteilt, wie sie schrittweise den Reformstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk umsetzen wird, der am 1. Dezember in Kraft getreten ist. Der Radiobereich kurz zusammengefasst: Der Verbund will nur wenig ändern, und beibehalten wird der Kurs in die falsche Richtung. Das Verdikt der Landesregierungen, die Zahl der ARD-Radios in der Luft auf 53 zu begrenzen, wird auf dem Papier umgesetzt, faktisch jedoch unterlaufen. Die zu Dudelsendern degenerierten Servicewellen bleiben erhalten, HR, SR und SWR legen ihre Info- und Jugendradios zusammen, ansonsten werden Spartenprogramme, die bisher auf DAB plus funkten, gestrichen oder ins Internet verlagert.
Den drei Schlagerwellen von BR, MDR und NDR wird nicht der Gnadentod gewährt, sondern eine eigene »Schlagerwelt« in der ARD-Audiothek mit noch mehr Bumsfallera. Ergebnis der Reform ist also nicht die Konzentration auf das Wichtige, das der private Sektor nicht machen will und kann (Hintergrund, Regionales, Kultur), sondern noch mehr Geschrei- und Dummfunk. Die relevanten Veränderungen beim ARD-Radio finden woanders statt, schleichend wird schon länger das knappe Dutzend Kulturprogramme »durchhörbar« gemacht, also glattgebügelt. Der Mitteldeutsche Rundfunk zeigt, wo es hingeht: So wie MDR Kultur klingt öffentlich-rechtlicher Hörfunk, bevor er abgeschafft wird, weil ihn niemand mehr braucht.
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