Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Wo die Musik spielt

Fusionen und Schließungen? Warum es nicht sinnvoll wäre, bei den renommierten Orchestern und Chören der ARD-Sender zu sparen.

Wer in Deutschland etwas auf sich hält, der leistet sich zumindest ein Orchester. Also werden hierzulande 129 Orchester, 81 davon spielen in Opernhäusern, durch die öffentliche Hand finanziert. So verkündet das Gerald Mertens von der allwissenden und mächtigen „unisono Deutsche Musik- und Orchestervereinigung“ (unisono, früher hieß sie DOV). Diese Zahl 129 bedeutet Weltspitze und ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal, das den Ruf Deutschlands weltweit und vor allem positiv prägt. Die Zahl verwundert wenig, da deutsche Komponisten zentral an der Entwicklung der klassischen Musik beteiligt waren und sind. […]

Außer dem dafür zu kleinen und zu armen Radio Bremen unterhalten die anderen acht ARD-Anstalten zusammen zwölf Orchester, sieben Chöre und vier Big Bands. Die gehören allesamt zu den Spitzenensembles in Deutschland, ihre Abschaffung würde dem Ruf des Klassikstandorts Deutschlands schwer schaden. Klassik ist eben in Deutschland unverzichtbar. Jedes Ensemble hat seine eigene Ausrichtung, ein eigenes Publikum, eine eigene Strahlkraft. […]

Bei den Chören ist die Situation vielschichtiger. Es gibt laut Gerald Mertens nur zwei Konzertchöre, in Berlin und Leipzig, die die großen romantischen Oratorien ohne zusätzliche Sänger aufführen können, der Berliner Rundfunkchor ist der bevorzugte Partner der Berliner Philharmoniker. Das Vokalensemble des SWR ist sehr viel kleiner und solistisch orientiert, für die Musiker geht es bevorzugt um lebende Komponisten. Einen ebenfalls sehr guten Ruf hat der Rias-Kammerchor, dessen 34 Sängerinnen in dieser Saison 58 Konzerte geben, vom Barock zur Moderne. […]

Insgesamt sind in den ARD-Ensembles laut Tom Buhrow 2000, laut Gerald Mertens von „unisono“ 1200 Musiker beschäftigt. […]

Was kosten diese Ensembles? Eigentlich müsste das die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) wissen. Weiß sie aber nicht, worüber man sich zumindest wundern darf. Die „von Ihnen erbetenen Detailangaben zu den Klangkörpern“ lägen nicht vor, „da unser Verfahren einer grundlegend anderen Systematik folgt“. […]

Am hilfreichsten ist wieder Gerald Mertens, der die Kosten für alle Ensembles auf etwa 170 Millionen Euro im Jahr beziffert. Umgerechnet sind das laut Mertens 42 Cent, die jeder Beitragszahler monatlich für diese Musiker bezahlt, also ein Sechsundvierzigstel der Rundfunkabgabe. […]