Die Luft- und Schaumschläger der Tagesschau

Die Luft- und Schaumschläger der Tagesschau

Programmkritik von Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer

Bitte festschnallen, es kommen schwere qualitätsjournalistische Turbulenzen im ARD-aktuell-Kanal auf uns zu:

„Wie wird Russland auf den Syrien-Angriff reagieren? Der Westen ist verunsichert. Kein Zufall. Denn genau das will Moskau – Verwirrung stiften. Dahinter steckt Strategie.

Nach einem US-Angriff mit 103 Flügelraketen auf das schon seit sieben Jahren kriegsverwüstete Syrien ist “der Westen” “verunsichert”? Und das ist genau gemäß Moskauer “Strategie?” Was sind die aber auch hinterhältig und gemein, diese Russen! Oder ist nicht vielmehr, Anschlussfrage, in der ARD-Nachrichtenzentrale schon längst auch die letzte Sicherung durchgeknallt?

„Die Luftschläge der USA, Großbritanniens und Frankreichs mögen primär einen symbolischen Wert gehabt haben“.

Müsste man nicht jedem Journalisten, der das Wort „Luftschlag“ gebraucht, sofort eine ordentliche Tracht Luft-Prügel anbieten? Der im Deutschen ach so beliebte „Schlag“ in Verbindung mit „Luft“ ist eine hirnlose Übernahme des englischen “ air strike“. Das Wort „strike“ kann mit „Schlag“ oder „Anschlag“ übersetzt werden. Im deutschen Sprachraum ist der Begriff „Schlag“ für den damit gemeinten militärischen Vorgang jedoch unpassend. Hier muss die Übersetzung „Angriff“ lauten. Ein „air strike“ ist füglich ein „Luftangriff“, was den offensiven Charakter dieses Tuns unterstreicht, im Gegensatz zu defensiven Luftwaffen-Operationen. Luftwaffenoffiziere, die im Englischen ebenso „zuhause“ sein müssen wie in ihrer deutschen Muttersprache, wissen das. Der „Luftschlag“ ist, ebenso wie das verbale Pendant „Militärschlag“, nicht nur eine gedankenlose anglophile Sprachverhunzung, sondern dient zugleich auch der Verschleierung des aggressiven Charakters der fraglichen Operation.

Wir haben also mal wieder hirnrissige ARD-aktuell-Luftschläge zwecks absichtsvoller Verschleierung westlicher Aggression auf die Ohren bekommen.

Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: , , , ,

Nachrichtenunterdrückung März 2018

Nachrichtenunterdrückung März 2018

In unseren und auch in den externen Programmbeschwerden, die bei vermuteten Programmverstößen regelmäßig an ARD, ZDF und DLF gesendet werden, wird des Öfteren bemängelt, dass wichtige Kontextinformationen unterschlagen werden, sodass das Publikum Geschehnisse nicht realitätsgetreu einordnen kann.

Auch das komplette Vorenthalten wichtiger, nachrichtenwerter Informationen gibt Anlass für Beschwerden. Über die Gründe der Unterdrückung von Nachrichten möchten wir nicht spekulieren, jedoch bleibt festzuhalten, dass die Rundfunkstaatsverträge die Sender verpflichten, die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen und einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.

Aus unserer Sicht wurden folgende Informationen in den Haupt-Nachrichtenformaten von ARD und ZDF, wie z.B. Tagesschau um 20 Uhr und heute-Journal um 19 Uhr, im Monat März 2018 unterschlagen oder nicht vollständig wiedergegeben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Gesamter Monat März:

Warnung vor Giftgas-Provokationen in Syrien
Russland hat bei unterschiedlichen Anlässen mehrfach vor Provokationen mit Giftgas durch syrische islamistische Terroristen gewarnt.

Eine Quelle von Vielen: https://www.heise.de/tp/features/Syrien-Russischer-Generalstabschef-warnt-vor-inszeniertem-Giftgas-Angriff-3993139.html

Nachrichtenunterdrückung im Fall Skripal
Im Fall Skripal wurden viele wichtige Begleit- und Hintergrundinformationen unterschlagen (siehe dazu auch 2 Programmbeschwerden der Publikumskonferenz).
https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=30&t=2532
https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=30&t=2552

Die britische Seite hielt sich bislang nicht an die Regeln der OPCW für einen solchen Fall, verweigerte die Übergabe einer Probe der gefundenen Spuren des Nervengiftes an Russland, gewährte der russischen Seite keinen Zugang zu der russischen Staatsbürgern Julia Skripal, und forderte die Solidarität der EU-Staaten mittels einer 6-seitigen nichtssagenden Präsentation ein.
Die russische Zeitung Kommersant veröffentlichte eine Kopie der vorgenannten Präsentation:
https://www.kommersant.ru/docs/2018/UK_Briefing.pdf

In der Mainstream-Berichterstattung fehlte bisher völlig, dass der Leiter des britischen Chemie- und Biowaffenlabors Gary Aitkenhead aussagte, dass das Labor nicht die Herkunft des verwendeten Giftes aus Russland nachweisen kann.

Quelle:
https://news.sky.com/story/porton-down-experts-unable-to-identify-precise-source-of-novichok-that-poisoned-spy-11315387

Es fehlte außerdem in der Berichterstattung, dass Vorräte von sowjetischen chemischen Kampfstoffen auch in anderen ehemaligen Republiken der Sowjetunion gelagert waren, wie z. B. in Usbekistan, in Georgien und in der Ukraine.

Weiterhin fehlte in der Berichterstattung völlig, dass Russland Großbritannien aufforderte, sich an die Regeln der OPCW für die Aufklärung eines solchen Vorfalls mit angeblicher Chemiewaffen-Anwendung zu halten. In dem durch die OPCW-Regeln (internationales Recht) vorgegebenen Prozedere steht eben nicht, dass man erst einen Staat des Chemiewaffeneinsatzes beschuldigt, und vielleicht irgendwann mal eine forensische Untersuchung macht, sondern umgekehrt, dass man zuerst gemeinsam eine Untersuchung macht, wobei dafür zunächst erst einmal 10 Tage vorgesehen sind.

Weiterhin fehlte in der Berichterstattung, dass Großbritannien die Übergabe von Proben der Spuren des angeblichen Kampfstoffes an Russland bisher verweigert.

Weiterhin fehlte in der Berichterstattung, dass das Timing für den Anschlag so gewählt ist, dass Russland nur maximalen Schaden daraus nehmen kann. Unmittelbar vor den Präsidentenwahlen in Russland und kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft.

Weiterhin fehlte in der Berichterstattung, in welcher Art im britischen Unterhaus über den Fall debattiert wurde. Eine der wenigen Mahnungen zur Mäßigung kam von Jeremy Corbyn, dieser wurde mit lautstarkem Geschrei der anderen Abgeordneten an der Fortsetzung seiner Rede gehindert. In dem lautstarken Polit-Theater im britischen Unterhaus wurde einfach nur das verstärkt, was von britischen Geheimdiensten an einzelne Politiker und an die Presse lanciert wurde.

Weiterhin fehlt in der Berichterstattung, dass der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, einschätzte, dass das von britischen Behörden schnell behauptete Motiv des angeblich russischen Anschlags – Rache für Schmach in der Vergangenheit – nicht einer näheren Überprüfung standhält.
Interessante Einordnungen sind zu finden unter der Quelle: https://www.craigmurray.org.uk/
Herr Murray war britischer Botschafter in Usbekistan und hat unter anderem mit dem Leiter der die ersten Untersuchungen führenden Forschungsstation Porton Down, Herrn Gary Aitkenhead, gesprochen.

01.03.2018
Korrupt sind immer die anderen? Berlin sitzt Antikorruptionsvorgaben seit Jahren aus.

Deutsche Außenpolitiker und deutsche regierungsnahe Organisationen und Medien betonen mit Vorliebe, welche Reformen andere Länder auf den Weg zu bringen haben, welche Hausaufgaben in Bereichen wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Korruptionsbekämpfung zu machen sind. Und welche Länder einen „Kultur- und Mentalitätswechsel“ benötigen, um in Staat und Gesellschaft die dringend erforderliche Bereitschaft für Reformen zu schaffen.

Wie im Februar bereits die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) bekanntgab, hat sich aber ausgerechnet Deutschland im weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) zwei Ränge nach hinten katapultiert. Außerdem wurde Deutschland gemaßregelt durch das Antikorruptionsgremium des Europarats. Die Europarat-Gruppe gegen Korruption (GRECO) beschloss bereits im Herbst 2017 die Punkte im jüngst veröffentlichten „Nachtrag zum zweiten Umsetzungsbericht der dritten Evaluierungsrunde“.

Und es ist nicht das erste Mal, dass Berlin entsprechende Hinweise aus Straßburg erhalten hat, jedoch hat die Bundesregierung einfach nicht die erforderlichen Reformen folgen lassen. Seit dem Jahr 2011 läuft ein Verfahren, weil Deutschland die bereits im Jahr 2009 empfohlenen Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung nicht hinreichend umsetzt. Was die „Transparenz der Parteienfinanzierung“ betrifft, hat Deutschland bisher gerade mal ganze drei von zehn Empfehlungen zufriedenstellend umgesetzt.

Quellen:
https://www.transparency.de/aktuelles/detail/article/korruptionswahrnehmungsindex-2017-deutschland-rutscht-durch-nichtstun-auf-platz-12/
https://de.rt.com/1euq

Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: , , , , ,

Puigdemont verbiegt ARD-aktuell

Bildquelle: imago/Westend61

Dr.Gniffkes Macht um Acht – Puigdemont verbiegt ARD-aktuell

von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Der frühere katalanische Präsident wurde am 25.3.18 mit seiner Festnahme Opfer traditioneller Kollaboration zwischen den deutschen Behörden und dem spanischen Geheimdienst CNI. Schon einmal wurde ein katalanischer Präsident, den Spanien ins Exil getrieben hatte, von Deutschen verhaftet: Der damalige Präsident der Generalitat de Catalunya, Lluís Companys i Jover, wurde im August 1940 von der Gestapo in der Nähe von Nantes verhaftet und an das Faschistenregime des Generals Francisco Franco ausgeliefert. Er wurde gefoltert und schließlich ermordet.

Justizministerin Katarina Barley, Außenminister Heiko Maas, Kanzleramtschef Braun und der Staatssekretär des Innenministeriums, Engelke, telefonierten miteinander und waren sich einig, dass es keine „politische Einmischung“ geben dürfe; als ob die Festnahme nicht bereits eine massive politische Einmischung der Merkel-Regierung in den Katalonienkonflikt gewesen wäre.

ARD-aktuell-Chefredakteur Gniffke wahrte erwartungsgemäß Hofberichterstattungslinie, übernahm die Berliner Sprachregelung und stimmte sein Publikum subtil und fügsam auf den regierungsoffiziellen Denkrahmen ein. Nach der Festnahme des katalanischen Ex-Präsidenten wusste Thomas Kreutzmann aus dem ARD-Hauptstadtstudio sofort, was Sache ist:

„Das ist ein rechtlicher und kein politischer Vorgang.“

Dann folgte bei ARD-aktuell per Wiederholungsschleife Nachhilfeunterricht darüber, was ein „Europäischer Haftbefehl“ sei. Ein willkommenes Ablenkungsmanöver, das der ARD-aktuell Informationen darüber ersparte, wie illiberal und inhuman die korrupte spanische Elite mit ihren Kritikern umgeht. Der mediale Zirkus gipfelte bei ARD-aktuell in der ungefragten Verkündigung des Regierungssprechers Seibert, dass Spanien ein „demokratischer Rechtsstaat“ sei. Die Gniffke-Qualitätsredaktion blendete erwartungsgemäß aus, dass Spanien eine in zahlreiche Korruptionsverfahren verwickelte Regierung hat mit nachweislichen Verstrickungen von Regierungskreisen ins postfranquistische Lager sowie ein Militärpolizei-und Strafjustizwesen, das rechtstaatlichen Gründsätzen Hohn spricht; Ministerpräsident Rajoy hat im Auftrag der deutschen Regierung einen rigiden Sparkurs und mit entsprechenden Knebelgesetzen durchgepeitscht. Proteste dagegen werden kriminalisiert. Selbst das führende deutsche Mainstreamblatt „Zeit“ lamentierte: „2017 …war kein gutes Jahr für den Rechtsstaat in Europa. auch in Spanien gibt es Entwicklungen, die zu Sorge Anlass geben… Die Gewaltenteilung steht vielerorts unter Druck, ebenso die Unabhängigkeit der Richter, teils sogar ihre persönliche Freiheit und Unversehrtheit“.

ARD-aktuell ficht das nicht an, diese Redaktion macht auf Staatssender, vertritt unverhohlen Regierungspositionen und kritisiert die Opposition. Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: , , ,

Gefährdungen durch Vergiftungen und Vorsorge – Folgerungen aus dem Fall Skripal

Bildquelle: Thinkstock/cyano66

 

Gefährdungen durch Vergiftungen und Vorsorge

Folgerungen aus dem Fall Skripal

– Gastbeitrag –

Die Gefährdungen aus Umweltbelastungen und im Arbeitsleben sind teilweise erfasst und geregelt, aber die aus aktiven Vergiftungen, z.B. aus chemischen Kampfstoffen nicht. Hier scheint es erforderlich zu sein, dem zu begegnen, weil eine solche Gefährdung durchaus im Bereich des Möglichen liegt, wie der Fall Skripal zeigt.

Allerdings offenbart der Fall Skripal auch deutlich, wie schwierig das Erkennen einer Gesundheitsbeeinträchtigung und das Finden einer Verursachung sind. Allein hier ist gemäß den in der Öffentlichkeit bekannt gewordnen Daten, die auch Widersprüchliches enthalten, festzustellen:

  • Es wird nur ein Zustand der Bewusstlosigkeit beobachtet.
  • Der herbeigerufene Notarzt veranlasst eine Einlieferung ins Krankenhaus.
  • In den ersten Tagen werden die verschiedensten Vermutungen hinsichtlich der Art des Giftes und der Vergiftungen geäußert, wobei meist auf polizeiliche Angaben bezogen wird. Schließlich soll ein Kontakt bereits durch Griff an der Türklinke erfolgt sein.
  • Offizielle medizinische Erklärungen gibt es nicht, ein Zugang zu den Patienten erfolgt nicht bzw. wird nicht gestattet.
  • Über die Behandlungen erfährt man nichts.

Gerade die Inkorporation von hochtoxischen Giften erfordert schnellstmögliche Reaktion und Diagnostik. Wenn aber weder Gift- bzw. Vergiftungsorte noch Personen bekannt sind, bedeutet das die Notwendigkeit einer Prävention und dort eine rationelle und gezielte Strategie. Eine solche ist mir nicht bekannt. (1)

Aus diesem Grunde frage ich beim Bundesministerium für Gesundheit an, in welchem Zustand hier sich die vorbeugende Abwehr befindet und was beabsichtigt wird, ggf. eine Besserung herbeizuführen.

 


 

Gifteinsatz in Salisbury
Skripal und die Wahrheit

Nach Pressemeldungen sollen am 04.03.2018 der Agent Skripal und seine Tochter (2) auf einer Parkbank in Salisbury bewusstlos aufgefunden sein, angeblich mit Vergiftungserscheinungen. (3) Die Spuren des Giftes sollen auf Oberflächen (auch in öffentlichen Restaurants (4) ) gelegen haben, aber für eine eigene Erkenntnis verlässliche Daten werden weder über den Staub, die Krankheitssymptome noch über die Probenahmen mitgeteilt. (5) Dem Verfasser ist bekannt, dass sich unweit von Salisbury in Porton Down ein Chemiewaffenzentrum mit Forschungsabteilungen befindet. (6)

Für einen hochtoxisch Neuro-Vergifteten und speziell mit der Probenahme und Analytik chemischer Schadstoffspuren erfahrenen Wissenschaftler sind die bekannt gemachten Angaben unklar und damit ein Anlass, Vergleiche anzustellen im Erkennen der Vergiftung, des Feststellens und Identifizierens des verursachenden Giftes und der Behandlung des Erkrankten. Der Verfasser ist als durch ein Organphosphat an den Nerven geschädigter Berufskranker BK 1307 anerkannt (7) und er war über ein Jahrzehnt aktiv in der Forschung und Praxis von Probenahme etc. u.a. in Verbindung mit dem iqs Bergakademie Freiberg. (8)
Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: , ,

Der Kampf um Ost-Ghouta, durch die Tagesschau-Brille gesehen

Bildquelle ohne „Überschrift“: Reuters

Programmkritik *)

Der Kampf um Ost-Ghouta, durch die Tagesschau-Brille gesehen
Mindestens 5 Programmverstöße in einem einzigen kurzen Beitrag

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Sechs Jahre lang führten internationale Söldner und mehrere islamistische Terroristenorganisationen ein grauenhaftes Regime im syrischen Bezirk Ost-Ghouta. Sie erzwangen religiöse und ethnische „Säuberungen“, sperrten Andersgläubige (Alawiten) in Käfige und nutzten sie als menschliche Schutzschilde gegen Angriffe der syrische Armee. Aron Lund, schwedischer Journalist, hat dokumentiert, wie die „Rebellen“ und „Aufständischen“ in Ost-Ghouta hausten und wie diese Herrschaft der islamistischen, salafistischen Milizen und ihrer Schariagerichte in der Praxis aussah. In all der Zeit war das Leid der Einwohner Ost-Ghoutas der Redaktion ARD-aktuell kaum eine Zeile wert. Selbst der permanente Beschuss von Wohngebieten im benachbarten Damaskus durch die „Rebellen“ mit hunderten getöteten Zivilisten fand in der Tagesschau kaum Erwähnung.

Die an vielen anderen Kriegsherden im Land unter Feuer stehende syrische Armee hatte den Bezirk östlich der Hauptstadt Damaskus zwar isolieren können, aber erst zu Beginn dieses Jahres verfügte sie über ausreichende Kräfte für den Kampf zu seiner Befreiung. Prompt startete ARD-aktuell ihre Propaganda-Kampagne: gegen die syrische Armee und deren Verbündete, die Streitkräfte der Russen und der iranischen Hisbollah. Sie hätten das Gebiet und seine hunderttausende Zivilisten „eingeschlossen“ und versuchten nun mittels rücksichtsloser Bombardierung, es zu „erobern“.

Die Tagesschau-Berichterstattung über den syrischen Versuch, die Bewohner Ost-Ghoutas vom Terrorregime zu befreien, den Mörserbeschuss der „Rebellen“ mit seinen tödlichen Folgen für die Bewohner der Hauptstadt Damaskus zu beenden und nach Jahren grauenhafter islamistischer Tyrannei die staatliche Ordnung wiederherzustellen, litt von Anbeginn unter dieser propagandistisch verzerrten Perspektive.

Chefredakteur Dr. Gniffke bot für ihre Beibehaltung alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf, einschließlich der ARD-Korrespondenten, die irgend dafür infrage kamen. Seine redaktionelle Linie folgte getreulich der vergifteten agitatorischen Parole, die Bundeskanzlerin Merkel am 22.Februar 2018 ausgegeben hatte:
Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: , , , ,

20 weitere Fragen, die Journalisten zum Fall Skripal stellen sollten

20 weitere Fragen, die Journalisten zum Fall Skripal stellen sollten
von Rob Slane, 27.03.2018, Übersetzung FritzTheCat

Meiner Kenntnis nach ist keine der Fragen, die ich in meinem vorangegangenen Artikel stellte – „30 Fragen, die Journalisten zum Fall Skripal stellen sollten“ – zufriedenstellend beantwortet worden, zumindest nicht öffentlich. Und trotz der Tatsache, dass diese legitimen Fragen noch nicht beantwortet wurden und viele wichtige Fakten rund um den Fall immer noch unbekannt sind, hat der Fall zu einer ernsten internationalen Krise geführt, durch die außerordentliche Ausweisung russischer Diplomaten am 26. März aus vielen EU-Ländern und insbesondere aus den USA.

Hier sollte man mal innehalten. Am 4. März wurden in der Innenstadt von Salisbury ein Mann und seine Tochter vergiftet. Trotz der Tatsache, dass die Ermittler anscheinend noch nicht wissen, wie sie vergiftet wurden, wann sie vergiftet wurden oder wo sie vergiftet wurden, haben eine Reihe westlicher Länder den Zwischenfall als Vorwand für eine koordinierte Ausweisung russischer Diplomaten benutzt, in einem Ausmaß wie wir es nicht einmal am Höhepunkt des Kalten Krieges erlebt haben. Dies sind eindeutig sehr abartige und sehr gefährliche Zeiten.

In meinem vorangegangenen Artikel habe ich darauf hingewiesen, dass es nicht meine Absicht ist, auf diesem Blog irgendwelche Verschwörungstheorien zu verbreiten. Es bleibt dabei, dass ich einfach keine ganzheitliche Theorie dazu habe – Verschwörung oder sonst was – wer das durchgeführt hat und ich bleibe für alles offen. Aber da die Regierung meines Landes zu einem vorschnellen Urteil gekommen ist, ohne dass viele der Fakten zu dem Fall bewiesen sind und seither zur größten Verschlechterung der Beziehungen zwischen nuklear bewaffneten Nationen seit der Kuba-Krise geführt hat, da scheint mir, dass es wichtiger denn je ist, weiterhin Fragen zu stellen, in der Hoffnung dass Antworten kommen.

Und daher, wozu immer es auch gut sein mag, sind hier weitere 20 wichtige Fragen von denen ich meine, dass die Journalisten sie zu diesem Fall stellen sollten:

1.) Hat die Polizei in dem Fall schon irgendwelche Verdächtige identifiziert?

2.) Wenn ja, gibt es irgendeinen Beweis, der sie mit der russischen Regierung in Verbindung bringt?

3.) Falls nein, wie kann man dann eine Schuldzuweisung treffen, so wie es die britische Regierung getan hat?

4.) In einer Rede an das Parlament hat Theresa May, die britische Premierministerin, am 12. März Folgendes gesagt:

„Es ist jetzt klar, dass Mr. Skripal und seine Tochter mit einem militärischen Nervenkampfstoff von einem durch Russland entwickelten Typ vergiftet wurden. Das ist ein Teil einer Gruppe von Nervengiften, die als ‚Novichok‘ bekannt sind. Dies basiert auf der positiven Identifikation dieses chemischen Kampfstoffs durch weltweit führende Experten des Defence Science and Technology Laboratory in Porton Down.“

Im Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 22. März über die Zulässigkeit, Blutproben von Sergei und Yulia Skripal zur Prüfung durch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu entnehmen, legte Porton Down Beweise vor Gericht vor (Abschnitt 17 i) in denen es heißt:

„Es wurden Blutproben von Sergei Skripal und Yulia Skripal analysiert und die Befunde deuten darauf hin, dass sie einem Nervenkampfstoff oder einer verwandten Verbindung ausgesetzt waren. Die Proben wurden positiv auf das Vorhandensein eines Nervenkampfstoffes der Klasse Novichok oder eines eng verwandten Stoffes getestet.“

Die Premierministerin sagt also, dass Porton Down die Substanz positiv als einen Novichok Nervenkampfstoff identifiziert habe. Die Ausage von Porton Down sagt, dass ihre Tests darauf hindeuten, dass es ein Novichok-Kampfmittel war oder ein eng verwandter Kampfstoff. Besagen diese zwei Äußerungen genau das selbe?

5.) Warum wurden die Begriffe „verwandte Verbindung“ und „eng verwandter Kampfstoff“ der Feststellung von Porton Down hinzugefügt, und ist das ein Hinweis darauf, dass die Wissenschaftler nicht 100% sicher waren, dass die Substanz ein „Novichok“ Kampfstoff war?

6.) Warum wurden diese Begriffe aus der Rede der Premierministerin im Parlament weggelassen?

7.) Warum benutzte die Premierministerin in ihrer Rede das Wort „Novichok“ und nicht das Wort Foliant, was der tatsächliche Name des Programms ist, das von der Sowjetunion eingeleitet wurde, als man in den 1970ern und 1980ern versuchte, eine neue Klasse chemischer Waffen zu entwickeln?

8.) In einem Interview mit Deutsche Welle zu der Frage, wie Wissenschaftler in Porton Down so schnell herausgefunden haben, dass der Nervenkampfstoff zur „Novichok“-Klasse der chemischen Waffen gehört, wurde der Außenminister Boris Johnson gefragt, ob Porton Down Proben davon besitze. So hat er geanwortet:
„Besitzen sie. Und sie waren absolut kategorisch und ich fragte den Kerl selbst, ich sagte, ‚Sind Sie sicher?‘ Und er sagte, dass es keinen Zweifel gäbe.“
Wenn Mr. Johnsons Äußerung richtig ist und das Defence Science and Technology Laboratory (DSTL) in Porton Down Proben von „Novichok“ in seinem Besitz hat, wo kamen sie her?

9.) Wurden sie in Porton Down produziert?

10.) Wie lange haben sie sie schon in ihrem Besitz?

11.) Warum hat das DSTL den Besitz dieser Substanzen nicht bei der OPCW angemeldet, wozu sie gemäß der Chemiewaffen-Konvention (CWC) gesetzlich verpflichtet sind?

12.) Deutete diese Äußerung von Mr. Johnson nicht darauf hin, dass „Novichoks“ in jeder modernen Chemiewaffen-Anlage hergestellt werden kann, so wie im Iran 2016 unter der Schirmherrschaft der OPCW?

13.) Wenn dem so ist, wie kann die Regierung so sicher sein, dass die bei der Vergiftung von Mr. Skripal und seiner Tochter verwendete Substanz durch Russland hergestellt oder produziert wurde?

14.) In ihrer Rede am Mittwoch den 14. März vor dem Parlament sagte die britische Premierministerin, dass es nur zwei plausible Erklärungen für die Vergiftung von Mr. Skripal und seiner Tochter gäbe:

„Entweder war es eine direkte Tat des russischen Staats gegen unser Land. Oder vielleicht hatte die russische Regierung die Kontrolle über einen militärischen Nervenkampfstoff verloren und zugelassen, dass er in andere Hände gelangt.“

Gibt es, abgesehen von der tatsächlich verwendeten Substanz, irgendwelche festen Beweise, die die Regierung zu dem Schluss kommen ließen, dies seien die beiden einzigen plausiblen Szenarien?

15.) Am 26. März haben eine Reihe von Ländern als offensichtliche Antwort auf den Vorfall in Salisbury russische Diplomaten ausgewiesen. Die OPCW hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber den Fall noch gar nicht untersucht oder die Blutproben analysiert. Warum wurde die eindeutig koordinierte Entscheidung zur Ausweisung von Diplomaten getroffen, bevor die Untersuchung der OPCW abgeschlossen ist?

16.) Setzt man damit nicht die OPCW unter gewaltigen Druck, mit der „richtigen“ Schlussfolgerung herauszukommen?

17.) Es wird damit gerechnet, dass die OPCW-Untersuchung der Substanz bis zum Ende mindestens drei Wochen dauern wird. Porton Down brauchte weniger als eine Woche für die Analyse. Wie kommt es zu diesem Unterschied?

18.) Wird die OPCW jene „Novichok“-Proben verwenden, die laut Boris Johnson in Porton Down aufbewahrt werden, um sie mit den Blutproben von Mr. Skripal und dessen Tochter zu vergleichen?

19.) Wenn nicht, auf welcher Grundlage wird dieser Vergleich gemacht werden, da die erste bekannte Synthese eines „Novichoks“ 2016 im Iran gemacht wurde?

20.) Falls die OPCW herausfindet, dass die Substanz tatsächlich ein „Novichok“ ist, wird das ein ausreichender Beweis sein um festzustellen wer den Angriff auf die Skripals ausgeführt hat oder wären – angesichts der Tatsache, dass andere Länder eindeutig in der Lage sind, solche Substanzen herzustellen – weitere Beweise notwendig?

 

 

Veröffentlicht in News Getagged mit: , ,

30 Fragen, die Journalisten zum Fall Skripal hätten stellen können

30 Fragen, die Journalisten zum Fall Skripal stellen sollten

von Rob Slane, 20.03.2018 the blogmire.com Übersetzung: FritzTheCat (zahlreiche links im Original!)

Es gibt zum Fall Sergei und Yulia Skripal jede Menge Sachverhalte, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr unklar und ziemlich seltsam sind. Es könnte für einige oder gar alle davon gute und harmlose Erklärungen geben. Und dann auch wieder nicht. Daher ist es so wichtig Fragen dazu zu stellen, denn bisher gibt es entweder keine Antworten oder nur höchst ungenügende.

Einige Menschen vermuten nun, das sei das Gebiet von Verschwörungstheorien. Ist es nicht. Aus dem einfachen Grund, dass ich keine glaubwürdige Theorie habe, um alle Details des Vorfalls in Salisbury von Anfang bis Ende zu erklären – Verschwörung oder nicht. Und ich werde auch keine Theorie anbieten. Ich habe keine Ahnung, wer hinter diesem Vorfall steckt und ich werde weiterhin für viele mögliche Erklärungen offen sein.

In der offiziellen Sichtweise stecken jedoch eine Reihe von kuriosen Sachen, die nach Antworten und Richtigstellungen verlangen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker oder Verteidiger des russischen Staats sein um das zuerkennen. Alles was man braucht ist eine gesunde Portion Skepsis, etwas „das jeder neugierige Geist entwickelt hat“!

Es folgen 30 der wichtigsten Fragen zu dem Fall und auf die Antworten der britischen Regierung, die momentan völlig unbeantwortet sind oder die eine Klarstellung benötigen.

1.) Warum gibt es in der Öffentlichkeit seit der ersten Woche der Untersuchung keine Updates über den Zustand von Sergei und Yulia Skripal ?

2.) Leben sie noch?

3.) Wenn ja, wie ist ihr momentaner Zustand und welche Symptome zeigen sie?

4.) In einem kürzlichen Brief an The Times schrieb Stephen Davis, Facharzt für Notfallmedizin beim Salisbury NHS Foundation Trust, folgendes:
„Sehr geehrter Herr, auf ihren Bericht (‚Durch die Gifteinwirkung benötigen fast 40 Menschen eine Behandlung‘, 14. März) möchte ich klarstellen, dass bei keinem Patienten in Salisbury eine Vergiftung mit Nervengas aufgetreten ist und es bisher nur drei Patienten mit einer signifikanten Vergiftung gab.“
Seine Behauptung, es sei bei „keinen Patienten in Salisbury eine Vergiftung mit Nervengas aufgetreten“, ist besonders seltsam, denn sie widerspricht ganz einfach der offiziellen Erzählung. Ist ihm da der Kugelschreiber ausgerutscht oder war es seine Absicht, genau das zu kommunizieren – dass in Salisbury keine Patienten mit Nervengas vergiftet wurden?

5.) Es wurde gesagt, dass die Skripals und Detective Sergeant Nick Baley durch „einen militärischen Nervenkampfstoff“ vergiftet wurden. Gemäß einigen Behauptungen könnte der genannte Typ irgendwas zwischen fünf und acht Mal toxischer sein als das Nervengift VX. Bedenkt man, dass beim VX eine Dosis von 10mg als mittlere tödliche Dosis gilt, so scheint es wahrscheinlich, dass der im Fall Skripal erwähnte Typ ihn sofort hätte töten müssen. Gibt es eine Erklärung dazu, wie oder warum das nicht geschah?

6.) Obwohl bereits ziemlich bald nach dem Zwischenfall Berichte vermutet haben, dass irgendein Nervengift verwickelt sei, dauerte es nahezu eine Woche bis die englische Gesundheitsbehörde PHE einen Rat an jene herausgab, die an jenem Tag das Pub The Mill oder das Restaurant Zizzi in Salisbury besuchten als die Skripals erkrankten. Warum diese Verzögerung und stellt dies eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar?

7.) In ihrem Ratschlag empfiehlt Public Health England jenen Menschen, die diese Orte besucht haben, wo anscheinend Spuren eines militärischen Nervengifts gefunden wurden, das Waschen der Kleidung, und:

„Wischen Sie persönliche Gegenstände wie Handys, Handtaschen und andere elektronische Geräte mit einem Reiniger oder Babytüchern ab und entsorgen sie die Tücher im Mülleimer (normaler Haushaltsmüll).“

Sind Babytücher eine wirksame und sichere Methode im Umgang mit Objekten, die möglicherweise mit einem „militärischen Nervengift“ kontaminiert wurden, insbesondere wenn dieser Typus 5-8 Mal tödlicher ist als VX?

8.) Ursprüngliche Berichte lassen vermuten, dass DS Bailey erkrankte, nachdem er sich um die auf der Parkbank sitzenden Skripals im Maltings (Anm.d.Ü.: Einkaufszentrum) in Salisbury kümmerte. Nachfolgende Behauptungen, zuerst am 9. März vom ehemaligen Metropolitan Police Commissioner Lord Ian Blair geäußert, besagen jedoch, dass er mit der Substanz im Haus von Sergei Skripal in der Christie Miller Road in Kontakt kam. Seither sind die Berichte dazu höchst vieldeutig, wo das doch eine leicht zu verifizierende Tatsache sein müsste. Welches ist die richtige Darstellung?

9.) Die Regierung hat behauptet, dass das Gift „ein militärisches Nervengift eines Typs sei, der in Russland entwickelt wurde“. Der Ausdruck „eines Typs, der in Russland entwickelt wurde“ sagt überhaupt nichts darüber aus, ob die im Fall Salisbury verwendete Substanz in Russland produziert oder hergestellt wurde. Kann die Regierung bestätigen, dass ihre Wissenschaftler in Porton Down (Anm.d.Ü.: das Zentrum der britischen Chemie- und Biowaffenforschung) festgestellt haben, dass jene Substanz, die die Skripals und DS Bailey vergiftet hat, tatsächlich in Russland produziert oder hergestellt wurde?

10.) Der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, hat behauptet, dass Quellen im Außenministerium (FCO) ihm gesagt hätten, dass die Wissenschaftler in Porton Down nichts über den Herkunftsort der Substanz sagen wollten, da sie nicht in der Lage waren diese zu bestimmen. Gemäß Mr. Murray haben sie nur unter dem Druck der Regierung letztendlich dieser Kompromissformulierung zugestimmt: „eines Typs, der in Russland entwickelt wurde“. Diese Formulierung wurde seither in allen offiziellen Stellungnahmen zu der Sache verwendet. Kann das Außenministerium in klarem und eindeutigem Englisch kategorisch die Behauptung von Mr. Murray zurückweisen, dass auf Wissenschaftler in Porton Down Druck ausgeübt worden ist, um einer Formulierung zuzustimmen und dass man sich am Ende auf eine verwässerte Version einigte?

11.) Für den Fall, dass das Außenministerium die Behauptungen von Mr. Murray zurückzuweisen versucht und dabei wieder die selbe Formulierung „eines Typs, der in Russland entwickelt wurde“ verwendet – Ist das FCO dazu bereit und in der Lage, darüber hinauszugehen und zu bestätigen, dass die Substanz nicht nur „ein Typ ist, der in Russland entwickelt wurde“, sondern dass er in Russland „produziert“ oder „hergestellt“ wurde?

12.) Warum hat die britische Regierung der russischen Regierung ein 36-Stunden Ultimatum für eine Erklärung gesetzt, sich dann aber deren Bitte verweigert, die Beweise zu teilen, die angeblich auf ihre Schuld hinweisen (es gäbe ja keine Gefahr dass sie manipulieren, denn Porton Down hat ja seine eigene Probe)?

13.) Wie ist es möglich, dass einem Staat (oder eine Person oder ein Unternehmen), der für etwas beschuldigt wird und sich gegen diese Anschuldigung verteidigen soll, der Zugang zu den Beweisen verwehrt wird, die angeblich auf seine Schuld hinweisen?

14.) Ist das nicht ein klarer Fall für die Umkehrung der Unschuldsvermutung und des Rechtsstaatsprinzips?

15.) Darüber hinaus, warum hat die britische Regierung der russischen Regierung ein Ultimatum gesetzt, was eine Zuwiderhandlung der für diesen Fall vorgesehenen Regeln der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW – sowohl Britannien als auch Russland sind Unterzeichnerstaaten) darstellt, die in Artikel 9, Paragraph ii der Chemiewaffen-Konvention (CWC) eindeutig festgelegt sind?

16.) Wenn man davon ausgeht, dass die Untersuchung, die vom Leiter der Untersuchung als „extrem herausfordernde Ermittlung“ beschrieben wurde, und wenn man davon ausgeht, dass viele der Fakten zu dem Fall noch unbekannt sind, etwa wann, wo und wie die Substanz verabreicht wurde – wie ist es da möglich, dass die britische Regierung mit solcher Gewissheit eine Schuldzuweisung macht?

17.) Und indem sie das getan hat, hat sie da nicht die Ermittlung politisiert und vorbelastet?

18.) Warum sieht sich die britische Regierung genötigt, weniger als eine Woche nach Aufnahme der Untersuchung mit einer Beschuldigung daherzukommen anstatt auf den Abschluss der Ermittlung zu warten?

19.) In der Andrew Marr Show am 18. März sagte der Außenminister Boris Johnson Folgendes:

„Und ich möchte noch etwas zur Aussage von Mr. Chizhov über den russischen Bestand an Chemiewaffen erwidern. Wir haben in der Tat Beweise aus den letzten zehn Jahren, dass Russland nicht nr die Lieferung von Nervenkampfstoffen zum Zweck der Ermordung untersucht hat, sondern auch Novichok geschaffen und gelagert hat.“

Woher stammt diese Geheimdienstinformation und wurde sie ordentlich verifiziert?

20.) Wenn diese Geheimdienstinformation vor dem 27. September 2017 bekannt war – dem Datum, an dem die OPCW in einer Stellungnahme erklärt hat, dass alle 39.967 metrische Tonnen der chemischen Waffen im Bestand der russischen Föderation vernichtet worden sind – warum hat dann Britannien nicht die OPCW über ihre Information informiert, die offensichtlich dieser Behauptung widerspricht? Sie hätten dazu die gesetzliche Pflicht gehabt.

21.) Wenn diese Geheimdienstinformation vor dem 27. September 2017 bekannt war – warum hat dann Britannien nicht die OPCW über diese „neue“ Information unterrichtet, wozu sie gesetzlich verpflichtet wäre, denn es zeigt ja angeblich, dass Russland die OPCW belogen hat und ein heimliches Chemiewaffenprogramm unterhielt?

22.) In der Andrew Marr Show machte Mr. Johnson auch folgende Behauptung, nachdem er gefragt wurde, ob er sich „absolut sicher“ sei, dass die bei der Vergiftung der Skripals verwendete Substanz „Novichok“ war:

„Offensichtlich handelt es sich nach unserem besten Wissen um einen in Russland hergestellten Nervenkampfstoff, der in die Kategorie „Novichok“ fällt, die nur von Russland hergestellt wird, und um auf den Punkt der internationalen Reaktion zurückzukommen, die so faszinierend ist.“

Ist der Ausdruck „nach unserem besten Wissen“ eine angemessene Antwort auf die Frage von Andrew Marr, ob er sich „absolut sicher“ sei?

23.) Ist das eine ausreichende rechtliche Grundlage, um einen anderen Staat zu beschuldigen und deswegen Strafmaßnahmen auszusprechen, oder braucht man mehr Gewissheit, bevor man so eine Anschuldigung machen kann?

24.) Nachdem er seine Worte mit der Phrase „nach unserem besten Wissen“ abgesichert hatte, ging Mr. Johnson über die vorherige Behauptung der Regierung hinaus, die Substanz sei „ein Typ, der in Russland entwickelt wurde“ und behauptete, dass es „Russian-Made“ sei. Waren die Wissenschaftler in Porton Down in der Lage festzustellen, dass es tatsächlich „Russain-Made“ ist?

25.) Und er ging auch über die vorherige Behauptung hinaus, die Substanz sei „ein in Russland entwickelter Typ“ und behauptete, dass die in den Skripal-Fall verwickelte Substanz „unter die Kategorie Novichok fällt, die nur in Russland hergestellt wird“. Erstens, ist Mr. Johnson in der Lage Beweise vorzulegen, dass diese Kategorie chemischer Waffen in Russland jemals erfolgreich synthetisiert wurde, insbesondere angesichts der Tatsache, dass das wissenschaftliche Beratergremium der OPCW erst 2013 festgestellt hat, dass man „unzureichende Informationen besitzt, um die Existenz oder die Eigenschaften von ‚Novichoks‘ zu kommentieren.‘?

26.) Wie Craig Murray nochmal darauf verwiesen hat: seit ihrer Stellungnahme von 2013 hat die OPCW (legal) mit iranischen Wissenschaftlern zusammengearbeitet, die diese chemischen Waffen erfolgreich synthetisiert haben. War sich Mr. Johnson darüber bewusst, dass die Chemiewaffen-Kategorie „Novichok“ woanders synthetisiert worden war, als er seine Aussage machte, dass diese Kategorie von Chemiewaffen „nur in Russland hergestellt“ wird?

27.) Lässt die Tatsache, dass iranische Wissenschaftler diese Klasse von Chemiewaffen synthetisieren konnten, darauf hindeuten, dass andere Staaten gleichfalls die Fähigkeit dazu haben?

28.) Ist sich die britische Regierung darüber bewusst, dass die Hauptfabrik für die Versuche zur Synthetisierung von Novichoks in den 1970ern und 1980ern nicht in Russland lag, sondern in Nukus in Usbekistan?

29.) Macht es die Tatsache, dass das US-Verteidigungsministerium diese Fabrik in Nukus dekontaminiert und abgetragen hat (mit Zustimmung der Regierung von Usbekistan) nicht zumindest theoretisch möglich, dass Substanzen oder Geheimnisse innerhalb der Fabrik außer Landes und gar in die Vereinigten Staaten geschafft worden sind?

30.) Die Verbindung zwischen Sergei Skripals MI6-Betreuer, Pablo Miller, der zufällig auch in Salisbury lebt, und Christopher Steele, dem Autor des sogenannten „Trump-Dossiers“, ist bekannt. (Anm.d.Ü.: Er arbeitete für Steeles Firma Orbis Business Intelligence). Ebenso die Tatsache, dass sich Mr. Skripal und Mr. Miller regelmäßig in der Stadt trafen. Ist diese Verbindung für die Untersuchung des Vorfalls in Salisbury von irgendeinem Interesse?

Wenn es in diesem Land noch Journalisten mit Integrität und investigativem Elan gibt, so wäre ich dankbar, wenn sie damit anfangen könnten, ihren Job zu tun und diesen Fragen nachzugehen, indem sie die zuständigen Leute und Behörden befragen.

 

 

Veröffentlicht in News Getagged mit: , ,

Der trübe Blick der ARD auf Despoten

Bildquelle: Screenshot ARD

Dass der Westen niemals mit despotischen Schurkenstaaten Geschäfte machen, oder gar diplomatische Beziehungen pflegen würde, versteht sich von selbst. Was aber tun, wenn sich das so gar nicht vermeiden ließe? Man kann Kraus-Maffei Wegmann, Rheinmetall, ThyssenKrupp, die Lürssen Werft und Heckler & Koch…. schließlich nicht in die Pleite treiben! Hier muss ein Marketingkonzept her, so ähnlich wie das mit der Riesenwaschkraft von Weißer Riese.

„Blut-Flecken entfernen wird jetzt noch einfacher! Mit der ARD-Flecken-Formel, die mehr als 100 Schmutzflecken verdeckt und schon ab 20 Uhr effektiv behandelt!“

Natürlich werden in Saudi-Arabien kritische Zeitgenossen ausgepeitscht, aber daran sind sie meist auch selbst schuld. Wie kann man sich nur des „Abfalls vom Glauben“ schuldig machen? Für dieses unsägliche Verbrechen wurde einem garstigen Blogger, dem nach Meinungsfreiheit dürstete, zunächst die Todestrafe angedroht, aber dann wurde er lediglich zu 1000 Peitschenhieben und zur Zahlung von umgerechnet knapp 200.000 Euro verurteilt. Das ist doch wahrhaft ein Beispiel zivilisierter Rechtssprechung. Auch, dass Frauen inzwischen mit dem Auto zur Steinigung fahren können, wird viel zu wenig gewürdigt. Okay, da wären noch die Bombardements, die S-A seinen Nachbarländern kontinuierlich angedeihen lässt, aber hey, erstens machen das die Bündnispartner auch ständig und die Militär-Schrottentsorgung trägt zu UNSEREM Wirtschaftswachstum bei! Man kann das Zeug ja zum Glück immer nur einmal verwenden!

Gut, dass wir unsere öffentlich-rechtlichen Anstalten haben. Die bringen das Urlaubsflair ins Schurkenparadies. Weiße Strände, blaues Meer, Sonne und Luxus pur. So etwas Schönes kann doch nicht böse sein – soll der unbedarfte Zuschauer denken.
DAS wäre aber nun wirklich fast zu schön um wahr zu sein.

Beschwerde nach Art.17 GG: Tendenziöse Nachrichtenauswahl und -gestaltung

Ob es sich nun um Reklame für den Luxus-Tourismus ausgerechnet nach Saudi-Arabien handelt oder doch nur um eine verkorkste Art von Hofberichterstattung, befinden Sie bitte selbst. Als ein vertretbarer Nachrichtenbeitrag in einer Sendung der öffentlich-rechtlichen ARD-aktuell war das jedenfalls nicht zu bezeichnen. „Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie“. Wer so vornehm über eine der widerwärtigsten Despotien unserer Zeit daherredet und -schreibt, macht sich auch den Hosenstall mit Messer und Gabel auf und zu. Vom Informationsauftrag, den Zuschauer zu einem sachgerechten Urteil zu befähigen, ist er dabei aber Lichtjahre entfernt.

„In Saudi-Arabien gilt die Scharia in der mittelalterlichen Form. Riad stützt und finanziert die Verbreitung des islamistischen Neofundamentalismus. Das Land verletzt ununterbrochen die Menschenrechte und es werden regelmäßig Strafen wie Amputation, Auspeitschung, Steinigung und die Todesstrafe vollzogen, letztere auch für Homosexualität.“

Solch präzise Beschreibung vermeidet ARD-aktuell natürlich. Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten sind offenkundig strikt bemüht, die „stabile Partnerschaft“ vulgo: Kumpanei der Bundesregierung mit der widerwärtigen Blutsäuferbande in Riad nicht mehr zu stören als unvermeidlich.
Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: , , ,

Programmbeschwerde: Die ARD Tagesschau und der Fall Skripal

Bildquelle: Sputnik

Man braucht schon starke Nerven, wenn man sich in diesen Tagen auf die gesammelten Berichte des Mainstream zum Giftgasanschlag auf den Ex-Spion Skripal und dessen Tochter einlassen möchte. Etwas Gegengift zum gewohnt russophoben Narrativ der Staats- und Konzernmedien tut not, wenn man nicht verzweifeln will an chronischer Logikferne, schwächelnder Diplomatie und unverblümter Ignoranz international anerkannter Rechtsgrundsätze – z. B. dass die Beweispflicht stets beim Ankläger liegt. „Necessitas probandi incumbit ei qui agit“ sagten schon die alten Römer, aber zu dieser Zeit hausten Briten und Germanen noch in Höhlen. Erstaunlich ist, dass die demokratiebewahrenden Aufklärer mit Informationsauftrag sich weiterhin standhaft weigern, die Politikdarsteller in nah und fern auf den hanebüchenen Zustand ihrer Argumentationsketten hinzuweisen. Aber irgendwer muss es ja machen.

ARD Tagesschau vom 15.03.2018 zum Thema Giftgasanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal
Beitrag von Jens Köhler

Die Tagesschau-Sendung am 15.03.2018 klang so dramatisch, als ob die NATO kurz vor der Ausrufung des NATO-Bündnisfalls wäre. Nur in einem Halbsatz wurde eine eher unauffällige Relativierung vorgenommen: „Trotzdem die Beweise für eine Beteiligung Russlands noch nicht vorliegen“, gelinge es Theresa May, den Beistand der Bündnispartner zu bekommen. NATO-Generalsekretär Stoltenberg wurde zitiert damit, dass er Unterstützung versprach.

Die britische Regierung betreibt aktiv Kriegspropaganda, indem Sie die Bedingungen für den Beginn eines Krieges herbeiredet, anstatt sich in diesem Fall erst einmal um die Einhaltung der OPCW-Regeln für den Umgang mit einem solchen Fall zu bemühen. Die ARD beteiligt sich mit ihrer Berichterstattung an dieser Kriegspropaganda.

Tatsächlich formulierte Theresa May ihre erste Stellungnahme viel vorsichtiger, als es später von den Medien und anderen Politikern wiedergegeben und verstärkt wurde. Sie sagte, es handele sich um „ein Nervengift von einem Typ, der in Russland entwickelt wurde“. „Wir wissen, dass Russland dieses Gift früher produziert hat und noch immer in der Lage ist, dies zu tun“. (Das träfe übrigens auch auf das Begriffspaar Sarin und Deutschland zu und dennoch kommt niemand auf die Idee, Angela Merkel sei nun für jeden Sarin-Anschlag verantwortlich.) Die vom Theresa May verwendete Kompromissformulierung war jedoch ausreichend suggestiv, um Russland erneut in Misskredit zu bringen und die internationale Lage zu verschärfen.
Die gezielt verwendete Suggestivformulierung floss dann auch ein in eine gemeinsame Erklärung Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens. Drei Länder vereint bei einem besonders gefährlichen Typ von Propaganda:

Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News

Und immer wieder zweierlei Maß

Quelle Beitragsbild: Screenshot tagesschau.de

In nahezu jedem Bereich politischer, gesellschaftlicher, kultureller, militärstrategischer, sportlicher und wirtschaftlicher Vorgänge wird von Jenen, die noch immer für sich beanspruchen, Sachverhalte einordnen zu können, mit zweierlei Maß gemessen. Selbst die Lehren aus vergangenen mörderischen Kriegen des Westens, die zumeist auf Lügen und einer entsprechenden Propaganda beruhten, die den Menschen das Hirn vernebelte und zu moralischen Mittätern machte, sind schnell vergessen. Die pathologische Denk- und Handlungsfaulheit, das fehlende Klassenbewusstsein und die Geschichtsvergessenheit der Massen ebnet den Weg zu immer weiteren Vernichtungskriegen. Und immer beginnt es mit Hetze und Propaganda gegen vermeintlich zu bekämpfende Feinde.

Die Hauptfeinde der USA und damit natürlich auch die der Bündnispartner sind derzeit Russland, China, der Iran und Nordkorea. Was zum Nachteil dieser souveränen Staaten in den hiesigen Medien abgespult wird, spottet jeder Beschreibung. Bei der Heraustellung vermeintlicher Verfehlungen der „Feindstaaten“ kehrt man geflissentlich die eigenen Unzulänglichkeiten unter den Tisch. Was sich hier in Bezug auf die hämische Berichterstattung über die Volksrepublik China an einem simplen Beispiel belegen lässt, wird täglich hundertfach im Großen zu Lasten anderer Länder exerziert. Das Ziel solcher Übungen ist nie Aufklärung, sondern immer Manipulation.

Unsachlich auch über die VR China

ARD-aktuell lieferte am 11.03.2018 in Tagesschau und Tagesthemen klassische Beispiele für arrogante, transatlantisch-einäugige, unsachliche Betrachtung politischer Vorgänge in den Konkurrenzstaaten der USA, hier der VR China. Antext zu einem Filmbericht über den Nationalen Volkskongress in Beijing:

„In China hat der Volkskongress die Macht von Präsident Xi extrem ausgeweitet. Er kann nach einem Beschluss der Delegierten auf Lebenszeit im Amt bleiben. Bisher musste nach spätestens zehn Jahren ein Machtwechsel erfolgen. Für die Neuregelung wurde die Verfassung geändert. Darin ist nunmehr auch die politische Theorie von Xi verankert. Kritik an ihm kann nun als Verfassungsverstoß gewertet werden.“
Weiterlesen ›

Veröffentlicht in News Getagged mit: ,